36,5 Grad: Winni Biermann – ein singender Trucker mit Kult-Potenzial

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Winni Biermann

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Winni Biermann ist, wie er offen zugibt, „ganz nah am Wasser gebaut“.  Prompt kullern selbst vor  laufender Fernsehkamera ein paar Tränen. Moderator Florian Silbereisen hat den  Bocholter Tenor nach dessen Auftritt in der ARD-Show „Die Besten im Frühling“ in den Arm genommen. „Wenn ich daran denke, kriege ich heute noch Gänsehaut – schau hier“, meint der 47-Jährige und hält – wie zum Beweis – seinen kräftigen, rechten Arm entgegen.

Typisch Winni: zielstrebig, bodenständig, herzlich. Schuld ist Mama Änne. Von der hat das jüngste von neuen Kindern nicht nur seine scheinbar unerschütterliche Frohnatur, sondern auch seinen Wahlspruch „Ik kun wall huelen!“  geerbt. Viel gehört nicht dazu, den Berufskraftfahrer und leidenschaftlichen Hobbysänger (O-Ton Biermann über Biermann) zum Weinen zu bringen. Ein ergreifendes Lied, ein unerwartetes Wiedersehen, eine nette Geste – schon werden Winnis Augen nass.

Ein Lied fährt um de Welt

Nicht nur deshalb hat der Mann mit dem selbst erklärten „stabilen Touch“ Kult-Potenzial. „Morgens Truck, abends Frack“ schrieb die Bildzeitung über den singenden Lkw-Fahrer, der die Herzen der typischen WDR4-Hörer im Sturm eroberte. Der Spannungsbogen zwischen Beruf und Berufung hat Aschenputtel-Charakter. Das mögen Medien wie Fans gleichermaßen – zumal wenn es wie bei Winni mächtig menschelt. So hält sich seine erste CD „Ein Lied fährt um de Welt“ seit Wochen in den Schlagercharts.

Glück hatte der Bocholter mit seiner Plattenfirma Sony Classical. Die kleine Tochter des Münchener Musikriesen, die sonst CD’s von Weltstars wie dem Pianisten Lang Lang oder Lorin Maazel und die Münchner Philharmoniker herausgibt, setzt auf Nachhaltigkeit. Sie geht nach Biermanns Einschätzung behutsam vor. Das kommt dem Familienmenschen, der es gern gemütlich mag, entgegen. Manchmal lässt Winnie Biermann lieber machen – ob von seiner Frau Ute, seinem Management oder seinem Lkw-Disponenten.

Die Kollegen der Spedition Fendrich sind längst in die Musikkarriere mit eingespannt. Manchmal kommt  es vor, dass sich Plattenfirma und Arbeitgeber kurzschließen und einen Interviewtermin organisieren, der kurzfristig in Winnis Tagestour eigebaut wird. Eben hat er noch Kies im Sauerland abgeliefert, schon steht der 47-Jährige auf dem Rückweg auf einem Rastplatz nahe Recklinghausen vor einer laufenden Videokameras. Er mag es unkompliziert. Und weiter geht’s zurück in Richtung Heimat.

Der Familienmensch

Abends immer wieder zu Hause zu sein, ist für den Familienmenschen Winni Biermann wichtig. Darum kann er sich auch nicht vorstellen, tagelang mit dem geliebten Lkw durch Europa zu gondeln. „Nörgens bäter as in Bokelt!“ Daran änderte auch auch sein 18-jähriges Wohnintermezzo in Krechting und Alt-Rhede nichts. Winni Biermann braucht seine Wurzeln. Die Kindheit im Bocholter Osten, die Wochenenden im Schrebergarten und die Jahre als Tanzmajor im Karneval sowie als Spieler und Fan des 1. FC Bocholt haben ihn geprägt. Ähnliches gilt für die Musik seiner Jugend. Während andere Rock hörten, wuchs der Gesangs-Autodidakt mit Rudolf Schock, René Kollo oder Roger Whittaker auf.

Heute ist der eingefleischte Anhänger des Plattdeutschen und der Balkan-Küche selbst ein bekannter Sänger. Den Beweis liefert der Musik-Identifikationsdienst Shazam. Dessen Smartphone-App spuckt, wenn Winnie Platten im Radio gespielt werden, prompt und richtig den Namen „Biermann“ aus. Winnie lächelt ein wenig schelmisch. Er weiß, er hat es geschafft. Alles, was jetzt noch kommt, ist Sahnehaube.

 

BERTHOLD BLESENKEMPER

 

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